Fallbeispiel systemische Beratung

Zur Veranschaulichung ein Fallbeispiel aus dem Bereich der systemischen Organisationsentwicklung:

Innerhalb eines Dienstleistungsunternehmens mit insgesamt 30 Mitarbeitern sollen auf der Grundlage einer systemischen Organisationsentwicklung Prozess- und Arbeitsabläufe erfasst und analysiert werden. Untersuchungsgegenstand sind die Prozessabläufe sowie das Schnittstellenmanagement zwischen den einzelnen Abteilungen. Außerdem steht die Reflektion der interpersonellen Kommunikation sowie des Führungsverhaltens im Mittelpunkt. Mittels einer Arbeitsplatzanalyse, die jeweils mit allen Mitarbeitern einer Abteilung durchgeführt wurde, wurden folgende Prozessfelder untersucht:

  • Arbeitsplatzorganisation
  • Arbeitstätigkeiten
  • Arbeitsumgebung
  • Führungskultur
  • Team- und Unternehmensklima

Im Rahmen der systemischen Organisationsentwicklung werden zu jedem Handlungsfeld die relevanten Punkte erfasst und herausgearbeitet und im Anschluss analysiert, was bereits optimal gestaltet und wo Optimierungsbedarf auszumachen ist. Mit Hilfe der interaktiven Einbindung konnten die Mitarbeiter sofort in den Veränderungsprozess miteinbezogen werden. Durch den systemischen Beratungsansatz wurden Wechselwirkungen herausgearbeitet und transparent gemacht. Mit hierüber gewonnenen Ergebnissen konnten Annahmen und Hypothesen gebildet und dadurch die Funktionalität der vorhanden Abläufe und Prozesse sowie der Kommunikation und des Verhaltens untersucht werden.

Methodik: Die Wunderfrage nach Steve de Shazer

Mit dem Instrument einer lösungsorientierten Intervention wurde anschließend eine Vision optimaler Abläufe und Prozesse sowie die der Kommunikation und des Verhaltens in allen Bereichen erarbeitet. Mit Hilfe der Wunderfrage nach Steve de Shazer versetzen sich die Organisationsmitglieder in die Vorstellung, als wenn schon alles optimal wäre und die Veränderungen schon erfolgt sind. Daran waren alle Mitarbeiter der jeweiligen Abteilungen beteiligt. Jeder Mitarbeiter konnte mit Hilfe dieser Methodik beschreiben, woran er sieht, dass der Zustand optimal ist, d.h. das Wunder eingetreten ist und was konkret anders ist.

Um einen möglichst realistischen Zustand zu finden, der auch schnell umsetzbar ist, wurde in einzelnen Schritten Abstufungen des 100%ig optimalen Zustands beschrieben. So wurden Stufen erarbeitet, was alles umgesetzt wurde, wenn 30%, 50%, und 70% des Wunders eingetreten wären. In den einzelnen Abstufungen wurde genau erfasst, wie die Prozesse jetzt definiert sind, was sich in den Abläufen geändert hat und wie sich Verhalten und Unternehmenskultur darstellen.

Im letzten Schritt der lösungsorientierten Intervention galt es für die Organisationsmitglieder zu benennen, was sie selber konkret ab dem nächsten Morgen tun können, um die gewünschte Veränderung herbei zu führen. Die einzelnen Maßnahmen wurden dokumentiert.

Systemische Betrachtung mit der Geschäftsführung

Mit den Ergebnissen aus der lösungsorientierten Intervention in der Hand wurde zusammen mit der Geschäftsführung abgestimmt, welche Maßnahmen kurz-, mittel-, und langfristig umgesetzt werden sollen, wie dies erfolgen könnte und welche finanzielle Mittel dafür bereitzustellen sind. Mit dem Ansatz der systemischen Organisationsentwicklung wurden die Wechselwirkungen und die Funktionalität der angedachten Maßnahmen hinterfragt und analysiert.

In einem Meeting mit allen Mitarbeitern präsentierte die Geschäftsführung, welche Maßnahmen umgesetzt und welche nicht umgesetzt werden sollten. Dabei wurde darauf geachtet, dass eine Transparenz für die Entscheidungshintergründe hergestellt wurde, v.a. bei den Maßnahmen, die nicht umgesetzt werden sollten.

Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die die Optimierung in Abläufen, Prozessen und im Schnittstellenmanagement umsetzten. Parallel fanden Trainings und Maßnahmen zur Teamentwicklung im Bereich der interpersonellen Kommunikation statt. Im Rahmen des Schnittstellenmanagement wurden bestimmte Meetings und Besprechungen wieder reaktiviert.

Durch die sofortige Einbeziehung der Mitarbeiter sowie durch die systemische Betrachtung von Wechselwirkungen und lösungsorientierten Interventionen war es möglich, prozessual eine Optimierung zu erreichen.

Dies spiegelte sich erheblich in der Zufriedenheit der Mitarbeiter wider.

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